Seniorenwegweiser 2020

60 3. Altersgerecht wohnen Neue Wohnformen 3.3 Der Wunsch vieler Menschen nach einem möglichst selbstbestimmten Leben bis ins hohe Alter hat die Ent- stehung neuer (alternativer) Wohnformen begüns- tigt. Gemeinsames Kennzeichen ist, dassman selbst- bestimmt wohnt und ein hohesMaß an Lebensqualität genießen kann. Die alternativenWohnformen ermög- lichen zudem, lange in einem sozialen Netz zu leben. Kleinere Einschränkungen der Mobilität werden durch das gemeinschaftliche Leben ausgeglichen. Wohngemeinschaften In Wohngemeinschaften leben Menschen zusammen in einer Wohnung. Jeder bewohnt ein eigenes Zimmer, Küche und Badwerden teilweise gemeinsamgenutzt. Außerdemgibt es in der Regel ein Gemeinschaftszim- mer, das allen zur Verfügung steht. Das familienähnliche Leben in einer Wohnung ist ein guter Schutz vor Vereinsamung. Hier ist es leichter, aktiv zu sein: Gemeinsam zu kochen, auszugehen oder Sport zu treiben. Außerdem ist gegenseitige Hilfe möglich. Gemeinsam in einer Wohnung zu leben, kann zudem finanziell vorteilhaft sein. Schließlich ist die Miete eines Zimmers in einer großen Wohnung oft- mals niedriger als der Mietpreis für ein Ein-Zimmer- Appartement. Man kann sich zudem die Kosten für eine Haushaltshilfe teilen oder eine gemeinsame An- schaffung tätigen, für die die Rente eines Einzelnen nicht gereicht hätte. Sogar Pflegeleistungen können zusammen in An- spruch genommen werden. Allerdings verlangt das gemeinschaftliche Leben auch ein gewisses Maß an sozialen Fähigkeiten und gegenseitige Toleranz. Da- mit es nicht zu Streitigkeiten kommt, sollten Sie un- bedingt darauf achten, dass Rechte und Pflichten al- ler Bewohnenden klar geregelt sind. Außerdemsollte im Mietvertrag geregelt sein, wie Sie im Falle eines Auszugs oder bei Mietrückständen verfahren wollen. GemeinschaftlicheWohnprojekte können in Eigenini- tiative schon vor dem Renteneintritt geplant werden. Dazu gibt es unter anderem Vereine wie zum Beispiel der Verein „Gemeinschaftlich Wohnen in Marburg - GeWIM e.V.“, die beratend zur Seite stehen. Bei fortgeschrittenemAlter nimmt die Pflegebedürf- tigkeit jedoch meist zu, sodass hier kombinierte Wohnmodelle gefordert sind. Bei Pflege-Wohn- gemeinschaften wird generell zwischen zwei unter- schiedlichen Typen unterschieden: Selbstverwalteten Wohngemeinschaften und trägergestützten Wohn- gemeinschaften. Bei einer trägergestütztenWohngemeinschaft erfolgt der Aufbau und die Rahmenorganisation z.B. durch einen ambulanten Pflegedienst, der die Zimmer in- dividuell vermietet und auch die pflegerische Ver- sorgung, Tagesstrukturierung und Haushaltsführung übernimmt. DieMiete der Wohnung und die Beauftra- gung des Pflegedienstes sind rechtlich miteinander verknüpft. Die Wohngruppe ist leistungsrechtlich im ambulanten Bereich verortet und ordnungsrechtlich als trägerinitiierteWohngruppe imHessischen Gesetz

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc1MTQ=